Informationen aus dem Hinterland. Alias Günter & Straßenmusikant

Informationen Aus Dem Hinterland. Alias Günter & Straßenmusikant

Babylon Berlin

Wallraff Wanted:
Informationen aus dem Hinterland, D 1977, R.: Jörg Gfrörer 32 Min., Alias Günter Wallraff DDR 1987, R: Roland Steiner, 29 Min;
, D1965 30 Min


Informationen aus dem Hinterland, D 1977, von und mit Günter Wallraff, 32 Min
Der Mann, der Hans Esser war: Günter Wallraff. 1977 hatte der Journalist Undercover bei der Bild-Zeitung als Reporter gearbeitet. Sein Erfahrungsbericht "Der Aufmacher" wurde ein Knaller. Der Film dagegen, "Informationen aus dem Hinterland" verschwand zunächst im Archiv des WDR. Der Sender hatte rechtliche Bedenken. 2010, 33 Jahre später, hatte der Springer-Verlag versichert, er habe nie vorgehabt gegen den Film vorzugehen. Und deswegen war der Film erst vor 7 Jahren zum ersten Mal zu sehen: Szenen aus einem umstrittenen Zeit-Dokument.
Günter Wallraff: "Ich glaube, wenn ich mich in dem Film wiedersehe, ekel ich mich vor mir selber. Weil ich war in dieser Zeit der Bildreporter Hans Esser."
"Ich glaube, es ist die schwierigste Rolle, die ich überhaupt jemals gemacht habe. Eine Schwerstarbeit, Drecksarbeit in einer Fabrik am Fließband ist dagegen also fast eine Erholung. Weil dieser Schmutz, dem man hier ausgesetzt ist, da hat man keine Distanz, keine Abwehrmechanismen."
Möglichst distanzlos
So wird aus einem harmlosen Termin, eine Frau macht Kampfsport, ein reißerischer Bild-Artikel. Wallraff versucht sich: "Jung. Blond und gefährlich - Angela Hoffman kann mit einem Tritt (...) jeden Räuber oder jeden Rocker auf der Stelle töten." (Bild, 1977)
Vier Monate arbeitet Wallraff undercover bei Bild, führt ein Doppelleben. Zeigt sich nur selten in der Kantine, und wird doch erkannt: "Und ein Journalist, den ich bis dahin nicht gesehen hatte, sprach mich an: Sie sind doch der Günter Wallraff. Ich dachte es ist alles aus und fing mich dann aber gerade noch so und sagte: Ja, da bin ich schon mehrmals mit verwechselt worden, aber der hat doch eine Brille und einen Schnauzbart."
Manchmal schafft Wallraff es, Artikel in seinem Sinne ein wenig zu verändern. Aber vor allem dokumentiert er, wie eine Zeitung Mitarbeiter und Leser manipulieren kann: "Die Macht des Blattes ist unheimlich. Das ist meiner Ansicht nach also eine politische Macht, wie wir sie stärker hier überhaupt nicht haben."
Günter Wallraff hat übrigens damals einen Rechtshilfe-Fonds für Bild-Opfer ins Leben gerufen. Er hilft zum Beispiel bei schweren Fällen von Rufmord und das bis heute.